Wirklich effektiv üben! So erstellst du deinen eigenen Übeplan

Wirklich effektiv üben! So erstellst du deinen eigenen Übeplan

Manche Übephasen gleichen einem Sprint. Wenn ich 47 Songs in drei Tagen lernen muss, geht alles ziemlich drunter und drüber. Was aber ist in den Phasen, in denen man es nicht gerade total eilig hat? In diesem Artikel lernst du dir deinen eigenen Übeplan zu erstellen, mit dem du kontinuierlich Fortschritte machst.

Schnelle stressige Phasen sind sehr lehrreich und hochinteressant, wie ich finde. Man lernt sehr viel darüber, wie aufnahmefähig man eigentlich ist und wie das eigene Lernen überhaupt vonstattengeht.

Wenn du aber nicht gerade ein Projekt hast, das drückt, kannst du ganz strukturiert nach Plan und mit einem klaren Konzept arbeiten. Wie das am besten geht? Mit einem Übeplan.

In diesem Artikel lernst du wie du deinen eigenen Übeplan erstellst und kontinuierlich und effizient deine Fähigkeiten immer weiter ausbaust.

Ich bekomme immer wieder Mails von Leuten, die mir schreiben, dass ihnen die Struktur im Üben fehlt. Auch viele neue Schüler erzählen mir in der Probestunde, dass es ihnen vor allem an einem konkreten Konzept, einem Plan mangelt, wenn es ans Üben geht.

Im Informationszeitalter ist alles sofort abrufbar. Willst du wissen, wie eine Tonleiter aufgebaut ist, wie Akkorde gebildet werden, wie Double Thumbing funktioniert, was Synkopen oder Triolen sind, was eine Tritonussubstitution ist, wie die besten Grooveübungen aussehen, wie du deinen Bass pflegst und neu besaitest, welche Tonleitern über welche Akkorde funktionieren, ist das alles in einer Sekunde von deinem PC (ja sogar von deinem Telefon!) aus abrufbar.

Es gibt wohl kaum eine Information, die du im Internet nicht schneller findest, als sie dir dein Basslehrer erklären kann. Was du im Internet aber nicht findest, ist dein persönlicher Plan, mit der Masse an Information richtig umzugehen. Wenn du meine „Über mich“ Seite kennst, weißt du, dass ich das WIE meist wichtiger finde, als das WAS. Hier geht es also vor allem darum, WIE du übst.

Setze dir ein großes Ziel

Bevor du loslegst und dir einen Plan schreibst, musst du dir ein paar Fragen stellen. Damit du quasi nicht planlos ans Planen rangehst 😉

Was willst du überhaupt für ein Musiker sein? Was sind deine musikalischen Ziele?

Damit ist alles gemeint, was deine Musikerkarriere ausmacht. Willst du als Allrounder jederzeit buchbar sein? Willst du als Sub oder Studiomusiker in immer wechselnden Bands und Projekten arbeiten? Willst du dich schnell in alle Stilistiken einfinden können und für alles zu gebrauchen sein? Oder willst du mit deiner eigenen Band durchstarten? Willst du eine Koryphäe in deinem Genre sein? Welches Genre ist das?

Warum ist das wichtig?

Je nachdem was dein Ziel ist, musst du dir einen anderen Plan erarbeiten. Wenn du technischer Metalbasser werden willst und dein Herz für die harten Gangarten schlägt, brauchst du einfach andere Übeschwerpunkte, als wenn du dich voll und ganz dem Jazz verschrieben hast. In dem Fall sind Sechzehnteltriolen mit vier Fingern auf 180 bpm vielleicht nicht von entscheidender Bedeutung, wenn du verstehst.

Was du in deinen Übeplan integrierst, wird vor allem davon bestimmt, wie deine Zukunft als Musiker aussehen soll. Mach dir also ganz genau klar, welches Ziel du verfolgen willst.

Das kann zum Beispiel so aussehen: „Ich will der meistgebuchte Jazzbassist in Berlin sein“ oder „Ich will der groovigste Bassist im Bereich Funk/Soul/Hip Hop sein“ oder „ich will meine Rockband perfekt am Bass supporten“.

Tu das jetzt. Nimm ein Stück Papier und einen Stift zur Hand und gehe in dich. Wie siehst du aus, wenn du dein Ziel erreicht hast? In welchem Umfeld bewegst du dich? Wie sieht dein typischer Tag/dein typischer Gig aus? Zeichne ein detailliertes Bild von deinem zukünftigen Selbst und deiner Lebenssituation vor deinem inneren Auge und schreib auf, was du siehst. Formuliere es als dein Ziel in einem bis wenigen Sätzen, beginne mit „Ich will…“.

Erkenne welche Fähigkeiten du brauchst

Was trennt dich von deinem großen Ziel? Was sind ganz exakt die genauen musikalischen Fähigkeiten, die dir fehlen, um dein Ziel zu erreichen? Das musst du wissen, um später die Übungen erarbeiten zu können, die dich dorthin bringen, wo du hin willst.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Weißt du nämlich nicht was du zur Erreichung deines Ziels können musst, kannst du nur ins Blaue hinein auf gut Glück üben (was du ja vielleicht jetzt gerade schon tust) und wirst nicht dort ankommen, wo du hin willst.

Schreibe auch hier wieder auf, was du herausfindest.

Um das Ganze gleich vorzustrukturieren, unterteile deine Wunschskills direkt in folgende Bereiche: Harmonielehre, Gehörbildung, Technik, Rhythmik, Noten und Griffbrettkenntnis.

Nehmen wir hier gleich ein Beispiel dazu: Angenommen, dein Ziel ist es, ein gefragter Jazzbassist für Sessions und Subjobs zu werden. Dafür ist (unter anderem) folgendes nötig:

  • Harmonielehre: umfassende Kenntnis der Jazzharmonien, Akkorde mit Optionstönen, Akkordfolgen, Fähigkeit zur Improvisation.
  • Gehörbildung: Dur, Moll, alle Septakkorde und -umkehrungen erkennen und Grundtöne zuordnen. Den Bass aus Aufnahmen raushören und nachspielen können.
  • Technik: In gesteigerter Geschwindigkeit Walkingbass und Solos in unterschiedlichen Fingersätzen über das gesamte Griffbrett spielen (Slappen, Tapping etc. ist in unserem Beispiel überflüssig).
  • Rhythmik: Viertel und Achtel im Swing Feel spielen können, mit Triolen und ternären Rhythmen vertraut sein.
  • Noten: flüssig auch komplizierte Sachen vom Blatt spielen können (sightreading).
  • Griffbrettkenntnis: Alle Arpeggios und alle Kadenzen in allen Fingersätzen auf dem gesamten Griffbrett spielen können, siehe Technik.

Mit Sicherheit kommen da noch einige Dinge dazu, ich bin kein absoluter Jazzprofi. Um dich bestmöglich vorzubereiten, solltest du dich bei Unklarheiten mit einem echten Profi in deinem Bereich treffen.

Setze dir konkrete, erreichbare Teilschritte

Wenn du von jetzt auf gleich versuchst den, großen Zielen hinterher zu jagen, wirst du frustriert und desillusioniert wieder abbrechen.

Die Ziele, die du definiert hast, brauchen Jahre, bis du sie erreicht hast. Tun sie das nicht, dann hast du zu kleine Ziele gewählt. Du spazierst auch nicht zu Fuß zum Mount Everest und fängst an loszuwandern, mit dem Gipfel als direktem Ziel.

Du setzt dir Teilziele, Etappen, die es zu erreichen gilt, wo du dich neu sammeln und ausrüsten kannst. Alles andere wäre unrealistisch und deprimierend.

So machen wir es beim Üben ebenfalls.

Wichtig beim Erstellen deines Plans ist, dass du dir konkrete, erreichbare Ziele für greifbare, überschaubare Zeiträume setzt.

Ein gutes Beispiel dafür wäre etwa: „In 30 Tagen Viertelnoten ohne Vorzeichen in 70 bpm vom Blatt spielen können.“

Hier hast du einen konkreten Zeitraum, in dem du ein klares Ziel verfolgst. So funktioniert es wunderbar!

Du brauchst ein nahes Ziel, das du kurz- bis mittelfristig erreichen kannst. Da kannst du dir erste Erfolgserlebnisse abholen und sehen, wie du Fortschritte machst. Schaffe es bis zum ersten Basislager und gehe von da aus weiter, statt dich auf dem Gewaltmarsch zum Gipfel komplett auszulaugen und mittendrin schlapp zu machen.

Definiere deine Etappen dabei so konkret wie möglich. Ein Negativbeispiel wäre folgendes: „Vom Blatt spielen können.“

Kein klares Ziel und keine feste Deadline zu haben lähmt dich. Du hast nämlich kein Konzept wie jetzt was, wann genau zu tun ist. Du hast keine konkrete Handlungsanweisung und hängst in der Luft. Da ist es kein Wunder, wenn du nicht ins Üben kommst, bzw. dabei bleibst.

Setze dir jeweils ein Ziel für jeden Bereich deines Übens (Harmonielehre, Gehörbildung, Technik, Rhythmik, Noten und Griffbrettkenntnis) und schreibe es dir auf.

Stelle die richtigen Übungen zusammen

Kommen wir also zum essentiellen Teil deines Übeplans, zu den Übungen.

Du hast dir ein großes Ziel erstellt, die nötigen Fähigkeiten erkannt, die dir aneignen musst, um dein Ziel zu erreichen und konkrete Teilziele definiert. Wunderbar. Suche dir jetzt die richtigen Übungen, um deine jeweiligen Teilziele in dem angepeilten Zeitraum zu erreichen.

Besorge dir das Übematerial, das du brauchst. Was brauchst du überhaupt genau? Hast du alle nötigen Ressourcen zu deinen Übebereichen (Harmonielehre, Gehörbildung, Technik, Rhythmik, Noten und Griffbrettkenntnis)?

Das Internet ist voll von Übematerial, besser ist es aber, wenn du dir je ein hilfreiches Buch besorgst, mit dem du arbeiten kannst. Bücher sind sinnvoller aufgebaut und didaktisch wertvoller, als der Datenhaufen Internet.

Dafür lohnt es sich auch mal ein paar Euro zu investieren.

Finde für jeden Teilbereich eine konkrete Übung, die du von jetzt an täglich absolvierst und die dich zu deinem Ziel bringt. Alle Übungen müssen so gestaltet sein, dass sie nah an deinen derzeitigen Fähigkeiten anknüpfen und einen klaren Schritt in die Richtung gehen, in die du gehen willst. Nutze dafür alle Informationsquellen, die du brauchst.

Warum nur eine Übung? Keine Angst, es wird nicht bei dieser einen Übung bleiben, du sollst nur mit einer anfangen.

Im Laufe der Zeit wirst du merken, wie die Übung immer besser funktioniert. Dann kannst du sie verändern/anpassen oder durch eine Neue ersetzen. Du kannst später auch noch andere Übungen hinzunehmen, fang aber erstmal mit einer Übung an. Je klarer und strukturierter, desto einfacher ist dein Einstieg ins Üben nach Übeplan und desto motivierter und konsequenter bist du.

Schreibe dir deine Übungen in deinen Übeplan. Gewöhne dich daran, das tägliche Protokollieren deiner Übesessions sollte dir nämlich zu deiner zweiten Natur werden.

​Führe Buch über deine Übessessions

​Deine Ziele leiten dich an, in welche Richtung du gehst. Zusätzlich solltest du aber Protokoll über deine Übesessions führen, um Erfolge festzuhalten und, je nach Fortschritt, deine Übungen anzupassen und optimieren zu können.

Mit einem Übeprotokoll führst du gleichzeitig eine gefühlte Verbindlichkeit ein. Du hast etwas, das dir im Hinterkopf schwebt und dich daran erinnert, kontinuierlich an deinen Fähigkeiten weiterzuarbeiten.

Außerdem kannst du deinen Fortschritt immer zurückverfolgen und sehen, wie gut du dich entwickelst. So kannst du dich selbst motivieren, wenn es mal nicht so gut läuft. Wenn du an schlechten Tagen nachsehen kannst, wie weit du in den letzten vier Wochen gekommen bist, dann ist das ein unglaublich starker Antrieb dran zu bleiben!

Hol dir Hilfe, wenn nötig

Falls du Schwierigkeiten mit einem oder mehreren der einzelnen Punkte hast, triff dich mit einem_r professionellen Basslehrer_in. Es ist gut investiertes Geld, wenn dir jemand mit Ahnung unter die Arme greifen kann. So kannst du deinen Übeplan wirklich effizient gestalten und verfolgen.

Vor allem beim Erstellen der konkreten Übungen kannst von der Hilfe eines_r guten Lehrers_in enorm profitieren. Es muss nicht gleich wöchentlich sein, es reicht schon, wenn du dich einmal durchchecken lässt und mit ihm_ihr zusammen die Übungen für deinen Übeplan erstellst, das kann in zwei bis drei Unterrichtsstunden zu schaffen sein.

Danach trefft ihr euch zum Beispiel alle ein bis zwei Monate, um deinen Leistungsstand zu überprüfen und Übungen zu ändern bzw. neue einzuführen.

Die Lehrersuche ist meist gar nicht kompliziert. Gib einfach „Bassunterricht *deine Stadt*“ bei Google ein oder suche bei Ebay Kleinanzeigen nach „Bassunterricht“.

Alle Schritte nochmal in kurz:

Der eigene Übeplan ist eine extrem gute Hilfe für deinen Lernerfolg. Wenn du jetzt anfängst und fleißig protokollierst, wirst du in vier Wochen, sechs Monaten, einem Jahr auf deine Anfänge zurückblicken und voller Erstaunen feststellen: „Waaas?! Das konnte ich mal nicht!?“

Gehe diese Schritte durch, um deinen effizienten Übeplan zu erstellen:

  1. Setze dir ein großes Ziel.
    Male dir ganz genau aus, wo du mit deiner Musik und deinen Fähigkeiten hin willst. Schreib es dir auf.
  2. Erkenne die Fähigkeiten, die zur Erreichung deines Zieles nötig sind.
    Schreibe sie auf.
  3. Setze dir überschaubare, kurzfristig erreichbare Teilziele und schreibe sie auf.
  4. Erstelle klare Übungen, mit denen du deine Teilziele in einem konkreten Zeitraum erreichen kannst.
  5. Führe ein Übeprotokoll und notiere täglich den Verlauf deiner Übungen und deinen Fortschritt.
  6. (optional) Hol dir Hilfe bei einem_r professionellen Basslehrer_in und arbeite mit ihm_ihr zusammen an deinem Übeplan.

Übst du schon nach einem Übeplan? Was hält dich davon ab? Hinterlasse einen Kommentar unter dem Artikel.​

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  • wie du immer ganz genau weißt, was du üben musst, statt „einfach irgendwas“ zu spielen
  • wie du dranbleibst, auch wenn du keine Motivation hast
  • wie du konkret spürbar weiterkommst, jedes Mal, wenn du übst
  • was du wann und wie üben musst, um täglich besser zu werden

+ Extra: Die konkreten Tools und Apps, die ich selbst benutze um so effektiv wie möglich zu üben

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Denis Ich darf leider kein Bassunterricht nehmen.Muß mir alles inklusive Lieder selber beibringen.Dann hätte ich gerne gewußt wo es Übungsmaterial für E-Bass gibt.Freue mich auf antwort moni

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